SPD Neuötting - Alzgern im Landkreis Altötting

PNP 04.09.2021: "Es müssten sich noch mehr impfen lassen"

Veröffentlicht am 08.09.2021 in Wahlen

Von der Bundesregierung wünscht sich die SPD-Direktkandidatin ein Machtwort an die Bundesländer

Burgkirchen. Annette Heidrich kandidiert nicht etwa für den Bundestag, weil sie meint, dass sie nach der Wahl als Abgeordnete ins Berliner Parlament einziehen könnte. Vielmehr ist ihre Motivation das starke Zugehörigkeitsgefühl zu der Partei, für die ihre Familie sich seit Generationen einsetzt. Die 54-Jährige stammt aus Nordrhein-Westfalen. In ihrer Heimatstadt Dinslaken saß ihr Vater 16 Jahre für die SPD im Stadtrat. Seit dem Jahr 2004 ist Annette Heidrich eine Burgkirchnerin.

"Unser neues Familienmitglied Jack, ein Australian Shepherd, bringt seit Februar unseren Haushalt mächtig durcheinander", sagt Annette Heidrich (im Bild an der Alz). Seit 18 Jahren ist die 54-Jährige mit Lothar Heidrich verheiratet, der, wie sie findet, viel zu gut kocht. −Foto: Gerlitz
"Unser neues Familienmitglied Jack, ein Australian Shepherd, bringt seit Februar unseren Haushalt mächtig durcheinander", sagt Annette Heidrich (im Bild an der Alz). Seit 18 Jahren ist die 54-Jährige mit Lothar Heidrich verheiratet, der, wie sie findet, viel zu gut kocht. −Foto: Gerlitz

"Wenn eine Partei keinen Direktkandidaten hat, ist das fatal", so Annette Heidrich. Deswegen ließ sie sich zum dritten Mal für den Wahlkreis 212 (Altötting-Mühldorf) aufstellen. Natürlich geben ihr jetzt die Umfrageergebnisse, bei denen die SPD so überraschend gut abschneidet, auch persönlich Auftrieb im Wahlkampf. Ihre Erfahrung ist: "Wenn es bei einer Partei auf Bundesebene funktioniert, schauen sich die Leute auch die örtlichen Kandidaten an."

Unter anderem aus diesem Grund setzt Annette Heidrich bei ihrem Wahlkampf nicht auf Stände, an denen Informationsbroschüren und Werbegeschenke an Passanten weitergereicht werden. Sie setzt bei ihrem Wahlkampf auf Plakate und Internet-Präsenz. Der Hauptgrund, warum die Direktkandidatin auf solche Auftritte in der Öffentlichkeit verzichtet, liegt jedoch in der Corona-Pandemie. "Ich halte es nach wie vor für geboten, Kontakte zu reduzieren", sagt die Mutter von vier Kindern und Oma von zwei Enkelkindern.

Seit dem 1. Mai ist sie nicht mehr beim BRK-Kreisverband, sondern ganztags beim Impf- und Testzentrum des Landkreises Altötting beschäftigt. Dort kümmert sie sich mit Kollegen um die Koordination. "Wir sehen, dass viele das Corona-Virus aus dem Urlaub mitbringen. Es müssten sich noch mehr Menschen impfen lassen." Das Impfangebot im Landkreis erhält Annette Heidrich für "grandios". Leider helfe das beste Angebot nicht weiter, wenn es nicht angenommen werde. Eine Möglichkeit zur Abhilfe sieht sie durch Aufklärung. Wer über Impfmöglichkeiten informiert werden wolle, könne im Zentrum nachfragen.

Von der Bundesregierung wünscht sich die Kandidatin eine klare Haltung und ein Machtwort an die Bundesländer. Das in Deutschland herrschende Durcheinander bei Länder-Bestimmungen ist für Annette Heinrich unerträglich. Nach ihrer Meinung sollte die Pflicht zur FFP2-Maske bleiben, denn Maskentragen sei die leichteste Übung und besser als Schließungen. "Die FFP2-Maske schützt auch Ungeimpfte", betont die Kandidatin.

Die 54-Jährige war zeitlebens ehrenamtlich engagiert. Ihre aktuellen Ehrenämter: Unterbezirksvorsitzende der SPD, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Landkreis, stellvertretende Vorsitzende der Europa-Union im Landkreis, Beisitzerin in der Vorstandschaft des Mieterschutzvereins Burghausen, Beisitzerin im Verein "Frauenbaum".

In diesem Sinne sind ihre obersten politischen Ziele, sich für Frauen und Wohnungslose einzusetzen. In den Augen von Annette Heidrich "ging es bei der Chancengleichheit für Frauen durch Corona eher einen Schritt zurück". Frauen hätten mehr unter der Kurzarbeit gelitten als Männer, außerdem seien Frauen zusätzlich belastet worden durch die Kinderbetreuung zuhause und das Homeschooling.

Viele Wohnungen seien aus der Sozialbindung herausgefallen. Ein soziales Mietniveau liegt für Annette Heidrich bei sechs Euro pro Quadratmeter, mittlerweile liege der Landkreisdurchschnitt weit darüber. Die Konsequenz daraus sei Wohnungsbau, der mit allen Möglichkeiten gefördert werden müsse. Dafür müsse der Staat auch Grundstücke, die in seinem Besitz seien, freigeben. Der Spekulation müsse ein Riegel vorgeschoben werden. "Die Leute sollen keine Angst mehr haben müssen, sich ihre Wohnung nicht mehr leisten zu können", unterstreicht die Kandidatin.

Ein weiteres Thema, das Annette Heidrich am Herzen liegt, ist die Pflege: "Mir erzählte eine Altenpflegerin aus Waldkraiburg, dass sie 80 Prozent ihrer Arbeitszeit für die Dokumentation aufwendet und nur 20 Prozent an den Menschen im Altenheim. Das hat mich erschüttert." Dabei ist Annette Heidrich klar, dass Pflegekräfte nur aus dem Ausland angeworben werden können.

Seit 2003 ist die Rheinländerin mit Lothar Heidrich verheiratet. Der 58-Jährige arbeitet im Werk Gendorf. Nicht zuletzt deswegen liegt der Direktkandidatin die Sicherung der vielen guten Arbeitsplätze im Chemiedreieck am Herzen. "Wir dürfen die Wirtschaft bei der Transformation hin zu erneuerbaren Energien nicht alleine lassen. Wir müssen zum Beispiel die Entwicklung der Wasserstofftechnologie unterstützen. Die Strompreise dürfen unsere Industrie nicht gefährden." In Zukunft werde der Energiebedarf steigen. Basis für die Energieversorgung seien natürlich Stromleitungstrassen. Genehmigungsverfahren für neue Anlagen müssten verkürzt werden.

Zur Umweltpolitik zählt selbstverständlich der Schutz des Grundwassers. In diesem Zusammenhang wünscht sich Annette Heidrich eine zweite Blutanalyse von Menschen, bei denen PFOA im Blut nachgewiesen wurde, und eine Langzeitstudie, um Entwicklungen zu erkennen.

Zum Wahlausgang gibt die Direktkandidatin folgenden Tipp ab: "Die SPD wird um zwei Prozentpunkte besser abschneiden als die Union und wird den Kanzler stellen." Die AfD wünscht sich Annette Heidrich unter zehn Prozent. Sie schätzt, dass die Bundestagswahl in eine Dreier-Koalition münden wird. Am ehesten kann sich Annette Heidrich eine Koalition zwischen SPD und Grünen vorstellen.
− ge

 

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